Über Gerd Godt

Aus dem Kondolenzbuch zum Tod von Gerd Godt

Ein Mann am richtigen Platz

Gerd Godt war ein sehr angenehmer Mensch, hanseatisch, bewusst und visionär. Ein Mensch, der bedeutsam sagen konnte: Darüber muss man mal nachdenken. Gerd Godt gehörte nicht zu der jungen Bio-Generation, nicht zu den typisch Provokanten der 68er Generation, da war er eher eine Vaterfigur. Besonnene Menschen, Pioniere der ersten Stunde, gab es auch schon auf den Höfen im Norden. Die ersten Biohöfe wie Hof Dannwisch und Obsthof Mehrens haben sich schon vor über 50 Jahren für den Demeter-Anbau entschieden. Ein zartes Bionetz im Norden baute sich damals über den Großhandel Schwarzbrot in Hamburg auf. Auch aus Grell in Nortorf wurde sozusagen eine kleine Spinne im Netz, die ganz zart das Netz des Biohandels im Norden mitgewebt und aufgebaut hat. Nachdem Schwarzbrot dann konkurs ging, hat Grell Naturkost dessen Aufgaben aufgefangen, das war sehr wichtig für die ganze Bioszene im Norden. Wie gesagt, er wird beschrieben als ein Mann am richtigen Platz.

Und Gerd Godt hat in Andreas mehr als eine freundschaftliche und partnerschaftliche Unterstützung gefunden, die für ihn persönlich sehr wichtig war. Seine Idee, seine Firma, sein Lebenswerk wird fortgesetzt. Danke.

Der entscheidende Kontakt und eine Freundschaft fürs Leben

Im März 1973 lernten sie sich bei den ersten Darmstädter DEMETER-Kursen kennen: Erich Mehrens und Gerd Godt. „Mit Feuer und Flamme kam der Vater nach Hause“, so berichtet Conrad Mehrens. Die Umstellung auf biologisch-dynamischen Obst- und Landbau begann sofort. Wichtig waren damals die persönlichen Kontakte der Pioniere untereinander, um die Idee mit Leben zu füllen. Dafür wurden die regelmäßigen Lemimo- Treffen eingeführt, immer am letzten Mittwoch im Monat. Außerdem nahmen die Biopioniere Kontakt zu Cohrs in Rotenburg auf. Hier hatte sich für Kleingärtner ein Handel der biologischen Boden- und Pflegemittel aufgebaut. Algenkalk, Ton- und Steinmehl zur Bodenverbesserung wurden per Post verschickt. Da die Bedarfsmengen der Höfe größer wurden, übergab Cohrs gerne den nördlichen Handel an die Firma Grell. „Daraufhin wurde Nortorf zu einer Art Wallfahrtsort der jungen Bioszene“, erinnert sich Gerd Godt. „Die Partnerschaft mit dem Obsthof Mehrens besteht somit seit über 40 Jahren“, erzählt Conrad Mehrens stolz.

Ein Pionier in der Bioszene Deutschlands

Vor 40 Jahren wurde der Handel mit Pflanzen- und Bodenpflegemittel von der Firma Cohrs an den Landhandel Grell herangetragen und damit hat Gerd Godt die Entscheidung für Bio getroffen. Die Bauern konnten nun über Nortorf die notwendigen Gesteinsmehle einkaufen und mussten sie nicht mehr aus Niedersachsen kommen lasen. Es war für die ersten Biobauern sehr wichtig, dass sie Partner im Handel fanden: Das Getreide musste aufbereitet und an die Bäcker geliefert werden. So hat Gerd Godt schon in den 70er Jahren durch seinen Mut, seine Authentizität und mit Risikobereitschaft gezeigt, wie wichtig es ihm war, den Biobereich in Schleswig-Holstein zu unterstützen.

Wir brauchen weiterhin beherzte Menschen wie Gerd Godt, die zu Pionieren des Wandels werden. Und auch wenn man zunächst nur ein Nischenakteur ist, kann daraus eine große Wirkungskraft erwachsen. Wir hoffen, dass sich auch politische und gesellschaftliche Entscheidungsträger von Wegbereitern wie Herrn Godt ermutigen lassen, Maßnahmen und Ziele, die heute utopisch scheinen, für morgen anzustreben.

Für das Gemeinwohl

Als aktiver Geschäftsführer entwickelte er seine Firma mit einem ausgeprägtem Bewusstsein für Partnerschaft, Umweltbildung und Naturerhalt. Die Gerd Godt-Grell Stiftung fördert beherzt regionale Wertschöpfung, Arbeitsplätze in der Region, gerade auch für Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten, Projekte im Umwelt- und Naturschutz und die Saatgutzüchtung.