Saat:gut e.V.

Öko-Landwirte und -Gemüsegärtner fordern die Änderung der Saatgutgesetze!

Saatgut, das gewerblich gehandelt wird, muss zugelassen sein. Die Sortenzulassung ist staatlich geregelt. Sie wird nach EU-Richtlinien vom Bundessortenamt umgesetzt. Viele Öko-Neuzüchtungen fallen durch die Zulassungsprüfung, weil sie mit Maßstäben gemessen werden, die nur Hybridsorten erfüllen. Die Biolandwirte und Bio-Gemüsegärtner brauchen samenfeste Sorten und fordern für die Zulassung und den Eintrag in die offizielle Sortenliste der EU ein eigenes Zulassungs- und Prüfverfahren.

Beispiel Zuckermais

Drei samenfesten Zuckermais-Öko-Neuzüchtungen fielen im vergangenen Jahr durch die Zulassungsprüfung, unter anderem weil äußere Merkmaldetails wie der Winkel der Blütenseitenäste der Fahne (männliche Blüte) nicht einheitlich genug sind. Dieses Merkmal ist für den Anbauer und die Verbraucher völlig unbedeutend. Die Ablehnung hat schwerwiegende Folgen.

Ohne Zulassung kein Schutz der züchterischen Arbeit

Ohne Zulassung können diese Sorten nicht in die Offizielle Sortenliste der EU eingetragen werden. Das bedeutet: Sie dürfen nicht professionell gehandelt werden. Ohne Sortenzulassung kann aber auch der Züchter seine Arbeit nicht schützen lassen. Ohne Sortenzulassung kann er keinen Sortenschutz beantragen. Wenn die schutzlose Sorte als Basis für die Entwicklung einer Hybridsorte verwendet wird und diese Hybridsorte zugelassen wird, kann mittels Sortenschutz dem Bio-Züchter sogar verboten werden, Saatgut der ursprünglich von ihm gezüchteten Sorte „in Verkehr zu bringen“. Das ist ein Vorgang, der mit den so genannten „Regenschirmsorten“ vielfach geschehen ist.

Notlösung „Amateursorte“

Die drei samenfesten Zuckermais-Sorten wurden nicht zugelassen, weil sie in einigen äußeren Merkmalen nicht homogen sind. Sie sind für den Öko-Erwerbsanbau aber so wichtig, dass der Züchter eine Nische nutzen und sie als „Amateursorte“ anmelden musste. Damit kann er sein Saatgut zwar in „Kleinverpackungseinheiten für den Hobbygärtner“ an Erwerbsbetriebe verkaufen, aber er kann keinen Sortenschutz beantragen. Durch die Zulassungsprüfungen fielen in den vergangenen Jahren auch andere Öko-Gemüsesorten. Blumenkohl-Neuzüchtungen wurden nicht zugelassen, werden nicht zugelassen, wenn sie nicht einheitlich blühen. Die Blütenfarbe des Blumenkohls ist für Gemüsegärtner, Verbraucher und Verarbeiter aber nicht wichtig, weil der Kohl schon im Knospenstadium geerntet wird. Auch Erbsen sind wegen uneinheitlicher Blütenfarbe durch die Zulassungsprüfung gefallen.

Unerfüllbare Forderung nach Einheitlichkeit

Das Problem: Samenfeste Sorten sind in einigen Merkmalen immer uneinheitlich. Sie können züchterisch nicht so weit genetisch verengt werden, dass sie in allen Eigenschaften homogen und uniform sind. Nur Hybridsorten oder Züchtungen, die durch gezielte molekulare Veränderung ihrer Zellbestandteile entstehen, erfüllen diese Kriterien. Der Ökolandbau aber braucht samenfeste Gemüsesorten, die sich mit ihrer Umwelt auseinandersetzen können. Öko-Sorten müssen sich den besonderen Anbaubedingungen des Ökolandbaus anpassen können. Weil der Ökolandbau ohne Einsatz von Mineraldünger, ohne künstliche Wachstumsförderer und ohne Gentechnik arbeitet, und weil nur sehr wenige Pflanzenschutzmittel zugelassen sind, müssen die Pflanzen mit anderen und weniger einheitlichen Bedingungen zurechtkommen als in der konventionellen Landwirtschaft. Den Pflanzen stehen zum Beispiel weniger Nährstoffe zur Verfügung. Die Konkurrenz durch Unkräuter (Beikräuter) ist stärker. Manche Pflanzenkrankheiten haben stärkere Auswirkungen.

Fazit: Das Saatgutrecht muss geändert werden

Seit drei Jahren arbeitet die Europäische Kommission an einer Revision des Saatgutverkehrs- und Sortenschutzrechtes. Die europäischen Bio-Züchter, Biolandwirte und -gärtner haben sich zusammengeschlossen und fordern von der Gesetzgebung eigene Kategorien und ein eigenes Zulassungs- und Prüfverfahren für Öko-Sorten. Der Biolandbau braucht Sorten, die unter Anwendung der Methoden des Biolandbaus gezüchtet werden. Nur eigene Zulassungsrichtlinien können die genetische Verarmung des Nutzpflanzensortiments verhindern. Der Biolandbau fordert außerdem die Unterstützung konzernunabhängiger Züchter. Da Sorten Kulturgut sind, muss Züchtung eine Gemeinschaftsaufgabe bleiben. Barbara Maria Rudolf Vorsitzende Saat:gut e.V.

Wir veröffentlichen gerne diese Stellungnahme von Saat:gut und verweisen auf folgenden Aufruf zur Unterzeichnung

https://www.campact.de/saatgutvielfalt/appell/ Eine BÖLW-Position zum Thema finden sie hier: http://www.boelw.de/uploads/media/pdf/Dokumentation/Dossiers_und_Positionspapiere/BOELW_Position_Sortenrecht_130124.pdf

Bunte Vielfalt statt genormter Einfalt

Die EU-Kommission will Einheits-Saatgut weiter den Weg ebnen. Alte und regionale Obst- und Gemüse-Sorten hätten kaum noch eine Chance – ganz im Gegensatz zu Industriesorten von Monsanto, Syngenta und Co. Unterzeichnen Sie unseren Appell gegen die Pläne! Kommt der Entwurf aus der EU-Kommission durch, wäre es das Aus für viele alte Obst-, Gemüse- und Getreidesorten: Es dürfte nur noch Saat- und Pflanzgut von Sorten in den Handel, die den Industrienormen entsprechen – so wie es Agrarkonzerne wie Monsanto, Syngenta und BASF herstellen. Auf der Strecke blieben viele heimische Sorten, die unseren Speiseplan bereichern. Und dafür sorgen, dass sich unsere Landwirtschaft an den Klimawandel, neue Krankheiten und Schädlinge anpassen kann. Am 6. Mai will die EU-Kommission über den Entwurf entscheiden. In einigen EU-Staaten regt sich bereits Widerstand. Mit einem Online-Appell zeigen wir, dass auch wir Verbraucherinnen und Verbraucher und die Anbauer in Deutschland bunte Vielfalt statt genormter Einfalt auf unseren Tellern, Feldern und in unseren Gärten wollen. In den kommenden Tagen wollen wir mindestens 100.000 Unterschriften sammeln und an die EU-Kommission übergeben. Helfen Sie mit? Unterzeichnen Sie unseren Appell! Nach den Plänen einer Fachabteilung der EU-Kommission dürften Betriebe, die pflanzliches Saatgut erzeugen, künftig nur noch Sorten verwenden, die ein amtliches Zulassungsverfahren durchlaufen haben. Das Problem: Das Verfahren ist aufwändig und teuer. Zudem können nur Sorten das Verfahren bestehen, die bestimmte Kriterien erfüllen – etwa einheitliches Wachstum. Viele traditionelle Kartoffel-, Tomaten- oder Gurken-Sorten zeichnen sich aber gerade durch ihre natürlichen Unterschiede aus. Zwar soll es für alte Sorten ein vereinfachtes Verfahren geben. Doch dies gilt nur für Sorten, die nachweislich bereits auf dem Markt sind – und dies muss im Zweifelsfall erst einmal bewiesen werden. Wieder entdeckte Sorten oder neue Kreuzungen hätten von vornherein keine Chance. Nur eine große Auswahl an Obst-, Gemüse- und Getreidesorten und damit eine breite genetische Ausgangsbasis sichert, dass sich unsere Landwirtschaft an den Klimawandel, neue Krankheiten, Schädlinge und neue Lebensstile anpassen kann. Die geplante EU-Saatgutverordnung muss Vielfalt auf unseren Feldern und Tellern ermöglichen, statt sie zu vernichten. Gemeinsam mit unseren Partnerorganisationen wollen wir dafür streiten. Unser Ziel werden wir aber nur mit Ihrer Hilfe erreichen.

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