Mit guter Laune neue Herausforderungen meistern

Eigentlich wollte Barbara Maria Rudolf in diesen Wochen in den Urlaub fahren um Yoga zu machen. Aufgrund der Restriktionen und wegen der hohen Nachfrage nach Bio-Gemüse ist der Urlaub nun erstmal auf unbestimmte Zeit verschoben. „Gar nicht so schlimm“, sagt Barbara, die auf Christiansen’s Biolandhof für die Vermarktung der Produkte zuständig ist. Zusätzlich ist Barbara Gründungsmitglied und Vorstandsvorsitzende des saat:gut e.V., einem Verein, der sich auf die Fahne geschrieben hat, samenfestes und natürliches Saatgut für gentechnikfreies Gemüse zu züchten und es der Öffentlichkeit frei zugänglich zur Verfügung zu stellen. Wir haben uns mit ihr am Telefon über den aktuellen Stand der Nachfrage, die Situation in der Samenzucht sowie den Bedarf an Erntehelfern unterhalten und festgestellt, dass die Samenzüchterin trotz der schwierigen Bedingungen ihre sympathische Art und gute Laune nicht verloren hat.

Lesedauer 5 Minuten, Stand 22.04.2020

Direkt zum Film über Christiansen’s Biolandhof

Grell Naturkost:

Hallo Barbara! Magst du uns einen kurzen Einblick in die Situation bei euch auf dem Hof geben? Wie sieht es bei euch angesichts der aktuellen Situation aus?

Barbara Maria Rudolf:

Wir hatten vor allem im März ziemlich turbulente Wochen. Als die Beschränkungen von der Regierung eingeführt wurden, fingen die Kund*innen an, besonders Kartoffeln und Möhren sehr viel stärker nachzufragen als wir das erwartet haben. Das hat zu einem riesigen Umsatz in diesem Bereich geführt. Seit Ende März ist es bei uns wieder ruhiger geworden. Der Umsatz läuft weiterhin auf einem hohen Niveau, normalisiert sich aber zunehmend.

GN:

Welche Konkreten Auswirkungen haben die Beschränkungen, die im Zusammenhang mit der Bekämpfung von Covid-19 getroffen wurden?

BMR:

Wir können zum Beispiel beim Sortieren der Moorrüben nur noch mit vier anstatt sieben Mitarbeiter*innen an einem Tisch stehen. Somit schaffen wir auch weniger. Wir haben uns natürlich angepasst und die Fläche zum Sortieren erweitert, können aber trotzdem nicht das normale Niveau halten. Wir können also derzeit nicht ganz so viel Ware liefern, wie wir das gewohnt waren. Auf dem Feld gibt es natürlich auch Einschränkungen. Wenn wir auf der Pflanzmaschine sitzen (siehe Bild), können wir einfach nicht die vorgeschriebenen Abstände einhalten. Da mussten wir uns also etwas einfallen lassen und versuchen mit Atemmasken und Visieren die Hygienestandards möglichst hoch zu halten. Trotz der erschwerten Bedingungen ist es aber ganz wichtig, dass es diese Anweisungen gibt. Aktuelle Schätzungen besagen, dass sich bis zu 70% der Bevölkerung mit dem Virus anstecken könnten. Also sind auch wir hier nicht vor der Gefahr geschützt und hoffen, dass es uns zu einem Zeitpunkt treffen wird, an dem wir ausreichend Pflanzen im Boden haben und auf die Ernte vorbereitet sind.

Bio Regional Gemüse
Pflanzmaschine auf Christiansen’s Biolandhof

GN:

Steht euch trotz der fehlenden Saisonarbeitskräfte aus dem Ausland genug Personal zur Verfügung, um die anstehenden Arbeiten zu erledigen?

BMR:

Wir sind momentan sehr gut aufgestellt. Wir können natürlich nicht auf unsere Saisonarbeitskräfte aus Polen setzen, die normalerweise Anfang Mai zu uns kommen. Wir haben aber aus dem Umfeld Arbeitskräfte gewinnen können und in der eigenen Mitarbeiterschaft gibt es Kolleg*innen, die eine Halbtagsstelle haben aber unter den aktuellen Umständen mehr arbeiten wollen. Wenn es brenzlig wird, habe ich auch noch ein paar Telefonnummern im Aktenordner, die ich anrufen kann (lacht).

GN:

Auch in den kommenden Monaten stehen in der Landwirtschaft natürlich wichtige und arbeitsintensive Aufgaben an. Wie sieht deine Prognose für die nächste Zeit aus?

BMR:

Wenn wir im Juni unsere polnischen Hilfskräfte für die Jäte nicht bekommen würden, könnte es kritisch werden. Aktuell verfolge ich aktiv die Informationen zu den Einreisebeschränkungen. Derzeit bleibt uns aber nichts Anderes übrig, als abzuwarten. Ich kann mir jedoch vorstellen, dass es im Mai Lockerungen geben wird, die uns entgegenkommen könnten.

GN:

Wie sieht dein Alltag aktuell aus?

BMR:

Da ich mich in meinem Arbeitsalltag hauptsächlich um die Vermarktung unserer Produkte kümmere, habe ich normalerweise im Frühjahr weniger zu tun, wenn die Lagerbestände langsam zurückgehen. Daher hatte ich eigentlich einen Urlaub für mich geplant, aber das fällt wohl flach (lacht). Ich helfe momentan viel bei der Aufbereitung mit.

GN:

Wie geht es dir mit diesen Einschnitten?

BMR:

Ich hatte geplant in den Urlaub zu fahren und dort Yoga zu machen, da mir das immer sehr hilft. Aber unter diesen Umständen muss man halt zu Hause Yoga machen. So schlimm finde ich es nicht, aus Vernunftsgründen zu Hause zu bleiben. Es gibt viele Menschen, denen es in der aktuellen Situation deutlich schlechter geht. Wir haben die komfortable Situation, dass wir unseren Lebensmittelpunkt auf einem Hof in der Natur haben.

Es gibt viele positive Entwicklungen, die wir hier wahrnehmen. Unsere Produkte sind zurzeit sehr gefragt und wir bekommen viele Anfragen, auch von Neukund*innen. Die Nachfrage nach regionalen Lebensmitteln ist spürbar gestiegen. Allerdings haben wir nicht die Möglichkeit, die Nachfrage in diesem Umfang zu bedienen. Wir hatten eigentlich schon Sorgen, dass wir unsere Kartoffeln nicht alle verkauft bekommen. Nun haben wir das Problem, dass wir entscheiden müssen, wie wir die Kartoffeln fair an unsere Kund*innen verteilen können.

Bioland Bio Grell Naturkost
Barbara Maria Rudolf, Leiterin Christiansen’s Biolandhof

GN:

Wie ist die Situation in der Samenzucht? Läuft dort alles wie geplant?

BMR:

Wir können alle Projekte bis jetzt so durchführen, wie wir sie geplant hatten. Wir sind sehr gut davor. Wir haben die Sortensichtung schon gepflanzt und die Tunnel für die Vollgeschwisterselektion bereits aufgestellt. Zum Glück sind unsere Tochter und ihr Mann kurz vor der Krise aus Australien zurückgekommen und arbeiten jetzt hier bei uns mit. Das hat uns sehr geholfen, da wir auch einige Mita

rbeiter*innen hatten, die in häuslicher Quarantäne waren. Zum Glück sind die Mitarbeiter*innen gesund geblieben. Wir können also einzelne Personalausfälle in der Samenzucht und in der Landwirtschaft aktuell noch gut auffangen. Es ist schwierig, aber wir lassen uns nicht unterkriegen.

GN:

Vielen Dank für das Gespräch, Barbara!

Der Film über Christiansen’s Biolandhof

  • email hidden; JavaScript is required